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Bilaterale Hemisphärenstimulation, wie z.B. EMDR |
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Ende der achtziger Jahre entdeckte und entwickelte die amerikanische Psychotherapeutin Francine Shapiro eine außergewöhnliche Methode zur Behandlung von posttraumatischem Stress. Vor sieben Jahren gab der SPIEGEL dann dieser auch in Deutschland neu eingeführten EMDR-Methode den Namen Winke-Winke-Therapie. Man war fasziniert und alarmiert über die neue Idee aus Amerika, psychische Blockaden einfach wegwinken zu können. Tatsächlich spielen bei dieser Methode schnelle Fingerbewegungen vor den Augen des Klienten eine entscheidende Rolle. Der Klient folgt diesen Bewegungen mit seinem Blick. Die so erzielten raschen Augenbewegungen erinnern an die REM-Phase, welche alle Menschen beim intensiven Träumen zeigen: Rapid Eye Movement. Und EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Natürlich kannte man schon vor EMDR therapeutische Stimulationstechniken über Augenbewegungen - allerdings nicht so rasch wie beim EMDR durchgeführt. In der Kinesiologie beispielsweise lässt man die Augen den Bewegungen einer liegenden Acht folgen, bekannt ist ebenfalls das Bild der pendelnden Taschenuhr bei der klassischen Hypnose. Auch beim Yoga - mit einer der ältesten Körpertherapiemethoden der Welt - gibt es eine Reihe von Augenbewegungsübungen. Sogar in traditionellen asiatischen Tänzen sind sich rasch hin- und herbewegende Augen ebenso wichtig und eingeübt wie Tanzschritte, was vielleicht neben der kulturellen auch eine gesundheitspflegende Bedeutung haben mag.
Immer mehr Experten vermuten, dass der positive Effekt dieser Stimulationstechniken durch die Bahnung einer optimalen Zusammenarbeit zwischen den beiden Gehirnhälften und somit aller Gehirnareale entsteht. Deswegen stimuliert man inzwischen im EMDR nicht nur über die Augenbewegungen, sondern nutzt auch wie bei anderen Methoden die auditive und taktile links-rechts- Anregung der beiden Hemisphären. Dieses Vorgehen kommt beispielsweise ganz ausführlich in verschiedenen Richtungen der Kinesiologie zum tragen, man denke da nur an die speziellen Arm- und Beinbewegungen in der Edukinästhetik zur Verbesserung der Lernleistung. Und Anwender des Neurolinguistischen Programmierens wissen, dass eine Intervention nur als gelungen einzustufen ist, wenn der Klient zum Schluss aus einem inneren Impuls heraus völlig körpersymmetrisch dasitzt oder -steht - wahrscheinlich ein Zeichen dafür, dass alle Gehirnareale durch die Veränderungsarbeit zu einer optimalen Zusammenarbeit vernetzt wurden.
Diese verbreitete Erkenntnis stand Pate für wingwave-Coaching, wo jetzt alle bekannten Techniken zur bilateralen Hemisphärenstimulation integriert wurden. Entscheidend für die Auswahl der jeweiligen Stimulationstechnik (visuell, auditiv oder taktil) ist immer der Klient: der wingwave-Coach setzt stets die Methode ein, auf die das Gegenüber am positivsten reagiert. Denn dadurch werden offensichtlich die entscheidenden brainwaves ausgelöst, welche den Klienten in den bestmöglichen Kontakt mit seinen mentalen Ressourcen bringen. Der Wortbestandteil wing beim wingwave-Coaching deutet darauf hin, dass ein zielgerichteter und sicherer Flug erst dann gelingt, wenn die wings - also die Tragflächen oder Flügel - in optimaler Feinabstimmung zusammenarbeiten - genau wie die beiden Gehirnhälften es idealerweise tun sollten.
Trotz der scheinbaren Einfachheit in der Anwendung zählt beipielsweise EMDR heute weltweit mit zu den effektivsten Psychotherapiemethoden bei posttraumatischem Belastungsstörungen. Die vielfältigen guten Ergebnisse sprechen für die positive Wirkung von Ansätzen zielgerichteter bilateraler Hemisphärenstimulation in Therapie und Coaching. Die Zeitschrift GEO schreibt in Ihrer Mai-Ausgabe 2002: Inzwischen ist EMDR die am gründlichsten untersuchte Trauma-Therapie. Auch das Hamburger Ärzteblatt 10/01 bezeichnet die Methode als gut erforscht.
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Kinesiologie |
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Die Kinesiologie beruht auf einer großen Vielfalt von Muskeltest-Verfahren für zwei wesentliche Anwendungsbereiche:
Das Auffinden von Stressoren und Unverträglichkeiten für die psychische und körperliche Gesundheit eines Menschen. Die Überprüfung der Wirksamkeit von angewandten Interventionen zur Verbesserung und Anregung von heilsamen körperlichen und mentalen Prozessen.
Überwiegend zeigt ein schwacher Muskeltest Defizite, ein starker Muskeltest Ressourcen an. Vielen ist beispielsweise der Muskeltest mit dem ausgestreckten Arm des Klienten geläufig. Diese einführenden Sätze geben aber nur eine vagen Einblick in das inzwischen sehr große Angebot von kinesiologischen Interventionen: Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker und Pädagogen nutzen die Kinesiologie für verschiedenste Gesundheits- und Befindlichkeitsziele ihrer Patienten und Klienten.
Beim wingwave-Coaching benutzt man den so genannten O-Ringtest oder Omura-Ringtest, da dieser Test durch eine wissenschaftliche Studie als besonders verlässlich bestätigt wurde. Hierbei hält der Proband Daumen und Zeigefinger kräftig zu einem Ring geformt zusammen während der Coach versucht, diesen Ring zu öffnen.
Der Test dient sowohl der gezielten Themenfindung im Coaching als auch der Überprüfung der Wirksamkeit der Coaching-Interventionen (wie in den Coaching-Beispielen näher beschrieben). Lesen Sie bei näherem Interesse bitte folgende Zusammenfassung über die Studie zu diesem Test:
Myostatiktest - Dr. Maria Lack
Der Myostatiktest ist eine kinesiologische Testvariante, die sich vom so genannten "O-Ring-Test" nach Dr. Omura abgeleitet und von H. Konzelmann so modifiziert wurde, daß die Testergebnise messtechnisch mit geringem apparativen Aufwand objektivierbar sind. Er ist eine Kombination aus Reaktionszeit- und Kompensationskrafttest, wobei hauptsächlich Reaktionszeitänderungen für die gesetzmäßig ablaufenden Veränderungen der Testergebnisse verantwortlich sind.
Wichtig ist das Maß relativer Veränderungen von einer Testsituation zur anderen. Besonders viel Wert wird dabei auf eine reproduzierbare, standardisierte Anordnung gelegt, bei der auf die zu einem Ring geformten rechten Hand der zu testenden Person eine definierte Belastung ausgeübt wird. Beim Test können mit einiger Übung folgende Ergebnisse beobachtet werden: Der Patient kann die Fingerkuppen bei Belastungen von ca. 130 N (ca. 13 kp) reproduzierbar zusammenhalten: Testergebnis stark. Im Wesentlichen zeigt das Testergebnis, dass die getestete Person ihre muskuläre Gegenleistung (Kompensationskraft) einer schnellen äußeren Veränderung des mechanischen Druckes einwandfrei anpassen konnte.
Der Patient kann die Fingerkuppen bei gleicher Belastung reproduzierbar nicht zusammenhalten: Testergebnis schwach.Testet der Patient schwach liegt eine Reaktionsverminderung vor. Die Fähigkeiten des Probanden, seine Muskelspannung gegenüber einem schnellen äußeren Zugimpuls zu stabilisieren, hängt entscheidend von der Qualität des inneren Informationstransfers seiner Reaktionsgeschwindigkeit ab. Dieser unterliegt wesentlich dem Einfluss bioenergetischer Befindlichkeiten: Krankheiten, Erschöpfung, Müdigkeit, Nahrungskarenz, Flüssigkeitsmangel, Alkohol, Tranquilizer z. B. können eine Verschlechterung der Reaktionsqualitäten bewirken.
Kinesiologische Einflussfaktoren * (S. Heyartz) müssen berücksichtigt werden: Schmuck/Metall, Brillen, Schallwellen, magnetische Felder, Beleuchtung/Neonlicht, Durst, Temperatur von Getränken, Belüftung des Versuchsraumes, Stühle aus Kunststoff, Metallstühle, Stühle, bei denen das Metall die Körpermitte kreuzt, Sitzhaltung (z.B. locker sitzen, körpersymmetrisch sitzen, geradeaus schauen, Füße parallel, Schultern in gleicher Höhe, Beine parallel, zwischen Füßen und Knien einen kleinen Abstand lassen, den rechten Arm im rechten Winkel zum Körper halten und den Arm am Körper anliegen lassen). Blickrichtung, Handhaltung, Narben von Operationen, Implantate, Plomben-Art/Material, Metall (auch im Körper), Textilien (besonders synthetische Fasern), Schuhe (vor allem Schuhe mit hohen Absätzen oder Schuhe mit Metallschnallen), Metallschnallen, Gürtel und Metallknöpfe.
Vorteile des Myostatiktestes in der Praxis Er ist einfach zu erlernen. Es fließen keine Messströme, Hautfeuchtigkeit spielt keine Rolle, Messpunkte werden nicht traumatisiert, seine Reproduzierbarkeit verringert Fehlinterpretationen und ermöglicht ein rasches Austesten. Der Myostatiktest ist in der Praxis ausgezeichnet anwendbar, kann sowohl zur Diagnostik als auch zur Überprüfung einer Therapie verwendet werden, benötigt im allgemeinen keinen apparativen Aufwand und ist auch für den Patienten eindrucksvoll, wenn er die positive oder negative Wirkung z. B. eines Medikamentes sofort direkt an sich selbst erfährt. Letzteres fördert die Compliance (kooperatives Verhalten des Patienten).
Literatur: Heyartz, Susanne Kinesiologie: Überprüfung kinesiologischer Grundaspekte, Freie wissenschaftliche Arbeit zu Erlangung des Grades einer Diplom-Psychologin an der Fakultät für Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, 01.07.1996, 290 S.. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Überprüfung kinesiologischer Grundaspekte. Es wurde der Myostatiktest ausgewählt.
Das Hauptanliegen der Arbeit ist:
Rekonstruktion des O-Ring Tests Objektivierung des O-Ring Tests Überprüfung der postulierten Wirkung einiger von Besser-Siegmund und Diamond angeführter Reize Überprüfung, inwieweit die Ergebnisse durch die Erwartungen der Versuchspersonen bedingt sind (Suggestionen oder eigene Erwartungen)
Zur Objektivierung wurde von H. Konzelmann eine Sonderanfertigung des Myostatik-Controllers aus der K-Med-Entwicklung verwendet. Es wurden 121 Personen getestet. Sie wurden in drei Gruppen aufgeteilt:
Gruppe W erhielt richtige Aufklärung über die postulierte Wirkweise Gruppe L die falsche Gruppe N keine Erklärung.
Geprüft wurden äußere Einflüsse, eine Batterieuhr und akustische Reize. Als zusammenfassendes Ergebnis lässt sich festhalten: Weder die Instruktionen noch die individuellen Erwartungen beeinflussen das "Haltevermögen" unter den Einflussfaktoren. Die Unterschiede im "Haltevermögen" sind ausschließlich auf die verschiedenen Testreize zurückzuführen. Der Körper kann also unabhängig von "mentalen" Überzeugungen und Beeinflussbarkeiten die Qualität der Reize erkennen.
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Das Neurolinguistische Programmieren - NLP |
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Anfang der 80er Jahre wurde das Neurolinguistische Programmieren (NLP) in Deutschland eingeführt. Dieses neue, zielorientierte Kurzzeit-Konzept der Kommunikationspsychologie hat inzwischen viele Anwender und Befürworter gefunden: aus dem Coaching, der Lernpsychologie und der Psychotherapie - um nur einige Wirkungsfelder zu nennen - ist das NLP mit seinen vielfältigen Methoden für ressourcevolle Veränderungsprozesse nicht mehr wegzudenken.
In vielen Berufen sind Menschen auf eine effektive Kommunikation mit ihren Gesprächspartnern angewiesen - seien dies Patienten, Schüler, Kunden oder Mitarbeiter. Da stellt sich oft heraus, dass die Welt in den Köpfen verschiedener Menschen ganz unterschiedlich funktionieren kann. Das Ergebnis: trotz guter Absicht denkt und redet man allzu oft aneinander vorbei.
Das Neurolinguistische Programmieren lehrt uns den Aufbau einer positiven Wellenlänge zwischen den verschiedenen Welten in den Köpfen. Es gilt als "Gebrauchsanweisung für das Gehirn". In diesem Sinne bietet es ebenso effektive wie individuelle Werkzeuge für die zwischenmenschliche Kommunikation oder auch Sprachberührung. Verhalten und Befindlichkeit Ihres Gesprächspartner werden durch NLP für Sie verstehbar. Sie lernen, ganz individuell auf Ihr Gegenüber zu reagieren, so dass sich schnell eine Atmosphäre positiver Motivation und fruchtbarer Zusammenarbeit entwickeln kann.
NEURO - steht für die Tatsache, dass jedes menschliche Verhalten und jeder Körperzustand im Gehirn durch neuronale Verknüpfungen repräsentiert ist.
LINGUISTISCHES - bedeutet, dass wir über diese Verknüpfungen mit Hilfe unserer Sprache kommunizieren können.
PROGRAMMIEREN - bezeichnet den Vorgang, mit Hilfe der Sprache Gedanken zu starten, welche die Einbahnstraße automatischer und eingefahrener Kommunikationsmuster auflösen. Sie werden in kreative neue Wege verwandelt, so dass ein reicheres Verhalten und Befinden stattfinden kann.
Es gibt drei zusammenwirkende Wahrnehmungsbereiche, welche in der zwischenmenschlichen Kommunikation von Bedeutung sind:
das, was ein Mensch sagt und tut, also sein Verhalten, das, was und wie ein Mensch denkt, also die innere Verarbeitung sinnlicher Erfahrungen in Bildern, innerem Dialog und Empfindungen, und das, was ein Mensch glaubt, also seine inneren Werte, Glaubensmuster und seine Identifikationen.
Beim NLP lernen Sie, sich auf diesen drei Wahrnehmungsebenen kreativ, selbstsicher und ressourcevoll zu bewegen, wenn Sie professionell kommunizieren. So sprechen Sie immer die Gesamtpersönlichkeit Ihrer Gesprächspartner an. Erleben Sie, wie viel Spaß Kommunikation dann gerade auch mit Menschen macht, welche vielleicht eine ganz andere Art, einen anderen Denkstil oder ein anderes Temperament haben als Sie. Sie werden feststellen, dass Sie im wahrsten Sinn des Wortes "viel besser ankommen".
Bis vor einigen Jahren galt NLP als noch nicht ausreichend wissenschaftlich fundiert. Das hat sich entscheidend geändert, es gibt mittlerweile viele Effektivitätsstudien. Die Europäische Gesellschaft für Psychotherapie (EAP) hat mit ihren strengen Auflagen an die Gütekriterien von Psychotherapie die Neurolinguistische Psychotherapie (NLPt) wegen der guten wissenschaftlichen Ergebnisse in ihre Liste der wissenschaftlich anerkannten und empfehlenswerten Psychotherapien aufgenommen.
Für die Einsicht in das umfangreiche Material verweisen wir auf das Buch von Peter Schütz u.a. NLPt. Theorie und Praxis der Neuro-Linguistischen Psychotherapie, Paderborn: Junfermann Verlag 2001.
Auch das Besser-Siegmund-Institut bietet die NLP-Ausbildung an. Seit 2007 gibt es die zertifizierte Coach-Ausbildung zum lizenzierten wingwave-Coach in Kombination mit der NLP-Practitioner-Ausbildung (DVNLP). Diese kombinierte Ausbildung zum durch die European Coaching Association zertifizierten Coach ist eine curriculare Neuentwicklung des Besser-Siegmund-Instituts, die seit Januar 2007 in verantwortlicher Konzeption durch die NLP- und wingwave-Trainerin Bianca Kopetz durchgeführt wird. Diese Ausbildung führt zwei lang bewährte Coaching-Module zusammen, so dass Sie als Teilnehmer in einem Zeitraum von 12 Monaten eine fundierte Ausbildung in zwei modernen und effektiven Coaching-Methoden erhalten. Dieses Angebot wird inzwischen auch von anderen Ausbildungsinstituten angeboten.
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Gehirnforschung |
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Warum wirkt die bilaterale Hemisphärenstimulation?
Über die Wirkungsprinzipien von EMDR gibt es mehrere Theorien, welche alle bis heute noch nicht zufriedenstellend belegt sind. Einige Beobachter vermuten das schon lange bekannte Prinzip der Desensibilisierung (engl. desensitization). Der Klient setzt sich in Gedanken der Erinnerung und somit einem aversiven Reiz aus. Die Augenbewegungen lenken gleichzeitig vom Gedanken ab und bewirken so ein "Entlernen": die Erinnerung verknüpft sich zunehmend mit neutralen Emotionen und Empfindungen. Erfahrene Therapeuten wie wir können jedoch berichten, dass dieses reine Konfrontieren in Zusammenhang mit einer zusätzlichen, entspannenden oder neutralen Aufgabe zwar Effekte bringt, der den EMDR-Prozessen aber nicht gleichkommt. Oftmals kann es sogar passieren, dass Betroffene überhaupt keine Erleichterung bei einer Desensibilisierungs-Intervention finden.
Sie sind immer wieder gleich betroffen von der schmerzenden Erinnerung. Auch mehrmaliges Erzählen der belastenden Erinnerung hilft oftmals nicht, sondern wird von vielen Klienten mit posttraumatischem Stress als ausgesprochen unangenehm und retraumatisierend erlebt. Auswirkungen wie die zuvor beschriebenen kreativen Ideen der Klienten oder die spontan befreienden Körpererlebnisse treten unserer Erfahrung nach in dieser intensiven Form nur bei EMDR-Interventionen auf. Interessant ist jedoch, dass die (...) zuvor beschriebenen Effekte nicht nur durch das Winken, sondern auch bei einem auditiven Input vergleichbarer Art auftreten. Schnipst man beispielsweise im ursprünglichen "Winke-Rhythmus" links und rechts am Ohr der Klienten, erfahren viele ein ähnliches Ergebnis wie mit den Augenbewegungen. Das gleiche gilt für taktile Reize: abwechselndes Tippen auf linke und rechte Schulter oder linke und rechte Handfläche.
Heutzutage probieren viele EMDR-Anwender mit ihren Klienten aus, auf welchem Sinneskanal die "links-rechts-Intervention" am besten wirkt. Francine Shapiro geht inzwischen davon aus, dass EMDR durch so genannte bilaterale Stimulation eine optimale Zusammenarbeit von rechter und linker Gehirnhälfte herstellt. Dadurch entsteht eine fließende Aktivierung von neuronalen Vernetzungen, was einen intensiven mentalen Lösungs- und Heilprozess auf Basis bereits vorhandener Ressourcen des Menschen freisetzt. Unterstützung findet diese Theorie durch ganz einmalige EEG-Aufnahmen, welche in einem Beitrag des Senders ARTE zum Thema EMDR auch im deutschen Fernsehen gezeigt wurden. Diese Aufnahmen wurden während des Nachtschlafs von schwer traumatisierten Menschen, die unter Albträumen leiden, aufgezeichnet.
Die Betroffenen - wie beispielsweise Vietnam-Veteranen - wachen von überwältigenden Angsterlebnissen auf und fühlen sich dadurch emotional in ein traumatisches Erlebnis aus der Vergangenheit zurückkatapultiert. In der Trauma-Therapie spricht man hier von einem Flash-Back-Phänomen. Die EEG-Aufnahmen zeigten nun deutlich, dass im Flash-Back-Erleben die linke Gehirnhälfte, vor allem das Sprachzentrum der Betroffenen wie ausgeschaltet ist, also keinerlei Aktivität zeigt. Die rechte Gehirnhälfte hingegen zeigt eine hohe Aktivität, als würde dort das erinnerte Erlebnis in Bildern und Gefühlen aufgeführt werden. Ein Flash-Back-Erleben scheint einem also die Sprache zu verschlagen - wie es im Volksmund ja so anschaulich heißt. Diese Beobachtung ist schon daher von besonderer Bedeutung, weil wir die Sprache nicht zur zur Kommunikation mit anderen Menschen, sondern vor allem auch für unser Selbstmanagement nutzen. Täglich gehen uns tausende von Gedanken durch den Kopf, mit denen wir auch unsere täglichen Erlebnisse, Pläne und Befindlichkeiten kommentieren: "Oh, es ist schon sieben Uhr, jetzt muß ich aber aufstehen", denken wir oder "Was ziehe ich heute an?" Diese unbewussten inner-sprachlichen Abläufe nennt man automatische Gedanken. Sie kommen auch zum Einsatz, um die Sinneseindrücke des Tages zu verarbeiten: "Was hat da denn geraschelt? Mensch, hab' ich mich erschrocken. Ach, das war ja nur ein kleiner Vogel im Gebüsch - völlig harmlos." Wir benutzen also die automatischen Gedanken, um Erlebnisse und damit auch unsere Gefühle beständig zu moderieren. Erst diese intrapersonelle sprachliche Moderation sorgt dafür, dass der Schreck nachlässt. Im Gespräch, durch Lesen oder Nachdenken gewonnene Erkenntnisse machen wir uns in Gedanken bei Bedarf über inneres Sprechen zugänglich. Geht ein Veteran aus dem Vietnamkrieg abends ins Bett, kann er sich selbst sagen: "Es ist alles in Ordnung, ich bin zu Hause, der Krieg ist viele Jahre her." Doch nachts kann dieser sprachliche Selbstberuhigungs-Effekt wegen eines vorübergehenden Ausfalls des Sprachzentrums offentsichtlich nicht mehr wirken. Das emotionale Erleben, die Bilder überschwemmen unmoderiert die Seele und können durch Sprache nicht mehr geordnet werden.
Diese Ergebnisse aus der Gehirnforschung haben uns und viele unserer Kollegen sehr nachdenklich gestimmt. Gilt doch die Psychologie als eine Hochburg des Sprechens:"Gut, dass wir darüber gesprochen haben" ist eine gängige Floskel geworden oder "Sprich dich aus, dann geht's dir besser" gilt als allgemein akzeptiertes Seelen-Rezept. Insofern sind wir stets gutmeinend über die Ängste unserer Klienten hinweggegangen, die sagten, sie hätten vor dem Sprechen Angst, müssten sich überwinden oder befürchten, dadurch alles nur nochmals durchleben zu müssen. Was ist nun, wenn bei posttraumatischen Stress bzw. bei Post Achievement Stress (PAS) Gesprächsergebnisse die verletzten oder gekränkten Gefühle gar nicht heilend erreichen? Was ist, wenn bei dieser ganz besonderen mentalen Beeinträchtigung die Vernetzung zwischen Sprachzentrum und Emotionsverarbeitung blockiert ist? Dann könnte es durchaus stimmen, dass in einzelnen Fällen Gespräche alte Gefühle einfach nur reaktivieren anstatt sie heilend zu integrieren und dass der Impuls des "Ruhen-lassen-wollens" intuitiv gar nicht so falsch ist, wie wir Therapeuten immer alle dachten. Die EMDR-Intervention ist in ihrem Kern nicht-sprachlich. Der Weg der Veränderung führt über rhythmische, bilaterale Sinneserlebnisse - seien es nun Augenbewegungen, oder links und rechts wechselnde auditive oder taktile Reize. Vielleicht erwachen durch diese Intervention wieder die neuronalen Bahnen, welche für die Unterhaltung zwischen rechter und linker Gehirnhälfte sorgen und bringen so dem Gehirn seine vollständige Leistungskraft zurück.
Sind die Mentalkräfte dann wieder vollständig und ganzheitlich aktiviert, findet dieses Gehirn dann seine eigene kreative Lösung im Sinne einer heilenden Informationsverarbeitung der im Nervensystem blockierten und hängengebliebenen Erinnerung. Die so wiederhergestellte Vernetzung scheint dann auch aufrechterhalten zu bleiben, wenn der Klient dann später allein mit dem Erlebten umgeht. Er kann sich jetzt durch seine Eigenkräfte neuronal immer wieder aus den emotionalen Spuren des damals Erlebten herausarbeiten. Auf diese Weise wird der Klient nach der Intervention zum mentalen Münchhausen, der sich je angeblich einst am eigenen Schopfe nur durch Eigenkraft aus dem Sumpf herausziehen konnte. Aber auch die Theorie der bilateralen Hemisphärenstimulation basiert mehr auf einer Vermutung als auf neurologischen Befunden.
Man kann EMDR auch als eine REM-Phase im Wachzustand auffassen, wobei die Geheimnisse der heilenden Wirkung von Träumen ebenfalls noch nicht ganz geklärt ist. Bei diesem Vergleich ist aber zu berücksichtigen, dass das reine nächtliche Träumen bei vielen Patienten und Klienten nicht bei der Überwindung einer traumatischen Stress-Spur geholfen hat. Bezeichnenderweise ist in einem solchen Fall oft der Nachtschlaf gestört, weil die Betroffenen in ihren Träumen in der Verarbeitung steckenbleiben und von diesem blockierenden Gefühl wach werden. Die emotionale Hürde scheint also erst durch das wache Rapid Eye Movement erzielt zu werden. Ebenfalls offen bleibt die Frage, warum EMDR manchmal erstaunlicherweise auch bei Phantomschmerzen hilft. Hier scheint die Methode entsprechende Nerven zu veranlassen, die chronische Sendung eines Schmerzgefühls wieder zu entlernen und auf die Aussendung von angenehmen oder neutralen Körperempfindungen zurückzuschalten. Vielleicht wirkt EMDR ja ebenfalls entlernend auf Neuronen, die Emotionen wie Angst, Wut oder Scham chronisch aufrechterhalten. All diese offenen Fragen sind jedoch kein Grund, die Methode noch in der Anwendung zurückzuhalten. Die offensichtliche positive Wirkung scheint uns als Anwendungsmotiv voll ausreichend zu sein. Und eines scheint EMDR mit Sicherheit zu bewirken: EMDR ist eine Methode, die es erlaubt, sich direkt mit der Amygdala, also dem Gehirn-Alarmglöckchen zu unterhalten und es dazu überreden kann, sich zu beruhigen.
(Der Text wurde dem Buch Besser-Siegmund, Cora, Siegmund, Harry (2001): EMDR im Coaching - wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, Junfermann Verlag, Paderborn entnommen.)
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